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Dr. Beatrix Schmidt berichtet über ihren dreiwöchigen Einsatz auf der »Sea-Watch 3«

· »Seenotrettung ist kein Verbrechen«
Gerettete Eritreer verlassen in Italien die »Sea-Watch 3, darunter auch Frauen mit Babies. Foto: Grodotzki

In zwei bewegenden Vorträgen berichtete Kinderärztin Dr. Beatrix Schmidt im Franziskus-Krankenhaus Berlin und im St. Jospeh Krankenhaus Berlin Tempelhof über ihren dreiwöchigen Einsatz auf der »Sea-Watch 3« im Mittelmeer, um Flüchtlinge in völlig seeuntauglichen Schlauchbooten vor dem Ertrinken zu retten.

Hilfsorganisationen wie z.B. Sea-Watch, Jugend rettet, Sea-Eye und Ärzte ohne Grenzen haben in den vergangenen Jahren vor der Küste Libyens zehntausende Menschen aus den Krisen- und Kriegsgebieten Afrikas und des Nahen Ostens vor dem Ertrinken gerettet. Anfangs auch von der Politik noch als Heldinnen und Helden gefeiert, sind die Einsätze der freiwilligen Helferinnen und Helfer mittlerweile umstritten.

Die neue rechtspopulistische Regierung in Italien blockiert und behindert die Einsätze und auch manche deutsche Politiker rücken die Helferinnen und Helfer in die Nähe von Schlepperbanden. Dr. Beatrix Schmidt empört das:  »Im Juni sind auf dem Mittelmeer mindestens 657 Menschen ertrunken, das sind nur die Registrierten. Jeder siebte Flüchtling, der in Libyen in eines der Schlauchboote geprügelt wird, überlebt die Fahrt auf dem Mittelmeer nicht. Dagegen muss etwas getan werden!“ Und sie sagt deutlich: »Seenotrettung ist kein Verbrechen. Ich bin Ärztin. Einzelnen Menschen zu helfen ist mein Beruf.«

Erste Hilfe und Notversorgung an Bord des Rettungsschiffes

Dr. Schmidt ist Chefärztin der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin des St. Joseph Krankenhauses. Das Schicksal der vielen Menschen, die vor Krieg, Gewalt und Armut nach Europa fliehen, hat sie ergriffen. Sie betreute als Ärztin Kinder und Jugendliche nach ihrer Ankunft in Berlin, als der ehemalige Flughafen Tempelhof Anfang 2016 zur größten Notaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge in Deutschland umfunktioniert wurde.

Aber die passionierte Seglerin wollte mehr tun und konnte das Ertrinken im Mittelmeer nicht länger ertragen. Mittlerweile fuhr sie zum zweiten Mal als Ärztin an Bord des SAR-Schiffes der Hilfsorganisation »Sea-Watch3« mit und versorgte an Bord die völlig entkräfteten, dehydrierten und oftmals von Folter gekennzeichneten Flüchtlinge. Bei ihrem zweiten Einsatz handelte es sich dabei vorwiegend um junge Frauen und Männer aus Eritrea und Somalia. Auch Mütter mit ihren Babys waren dabei.

Die Fahrt auf der »Sea-Watch3« mit Dr. Beatrix Schmidt an Bord war eine der letzten Fahrten des Rettungsschiffes in das Einsatzgebiet vor Libyiens Küste in internationalen Gewässern. Es liegt inzwischen im Hafen von La Valetta auf Malta fest und die Behörden verweigern trotz korrekter Registrierung des Schiffes durch die niederländische Regierung das erneute Auslaufen.

Der Einsatz an Bord war für Dr. Beatrix Schmidt alles andere als eine Kreuzfahrt. Geschlafen und gewacht wurde im 4-Stunden-Rhythmus. »Nach drei Tagen ist man so müde, dass man überall schlafen kann«, sagt Dr. Beatrix Schmidt. Und weiter: »Zurück zu Hause denkt man: das mache ich nie wieder, aber die Bilder und Eindrücke der geretteten Menschen lassen einen nicht los. Und falls die Sea-Watch3« noch einmal auslaufen sollte, wäre ich wohl ein weiteres Mal dabei.«

Über den Rettungseinsatz hat die italienische Journalistin Angela Caponnetto für das italienische Fernsehen RAI eine bewegende Reportage gedreht.

Pressekontakt

Corinna Riemer

Leiterin Unternehmenskommunikation